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Otmar Issing

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Issing bei der Preisverleihung des Wirtschaftspolitischen Club Deutschlands 2025.

Otmar Issing (* 27. MĂ€rz 1936 in WĂŒrzburg) ist ein deutscher Ökonom und war PrĂ€sident des Center for Financial Studies. DarĂŒber hinaus ist er Vorsitzender des Kuratoriums der Gesellschaft fĂŒr Kapitalmarktforschung e. V. und des House of Finance an der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt. Als ehemaliger Chefvolkswirt und ehemaliges Direktoriumsmitglied der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) war Issing 1998 maßgeblich am Entwurf der geldpolitischen Strategie der EZB beteiligt. Er gilt als einer der fĂŒhrenden Vertreter der Theorierichtung des Monetarismus in Deutschland.

Der Sohn eines Gastwirts begann nach dem Abitur in WĂŒrzburg am Riemenschneider-Gymnasium 1954 zunĂ€chst ein Studium der klassischen Philologie an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg, 1955 wechselte er zur Volkswirtschaftslehre. Nach Auslandssemestern in London und Paris legte er 1960 an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg das Examen ab und erlangte den Abschluss als Diplom-Volkswirt. Von 1960 bis 1966 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg tĂ€tig. 1961 schloss er seine Dissertation ĂŒber MonetĂ€re Probleme der Konjunkturpolitik in der EWG ab, 1965 habilitierte er sich mit der Arbeit LeitwĂ€hrung und internationale Wirtschaftsordnung und erlangte die Venia legendi fĂŒr Volkswirtschaftslehre.

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Funktionen und Mitgliedschaften

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1967 wurde er als Direktor des Instituts fĂŒr Internationale Wirtschaftsbeziehungen an die UniversitĂ€t Erlangen-NĂŒrnberg berufen. 1973 wechselte er auf den Lehrstuhl fĂŒr Volkswirtschaftslehre, Geld und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der UniversitĂ€t WĂŒrzburg. 1983 erhielt er einen Ruf an die UniversitĂ€t Konstanz, lehnte diesen jedoch ab. Weitere Lehr- und Forschungsaufenthalte fĂŒhrten ihn u. a. an die Philipps-UniversitĂ€t Marburg, die University of Michigan in Ann Arbor sowie den Internationalen WĂ€hrungsfonds in Washington, D.C.

1987 bis 1990 war er Mitglied im Kronberger Kreis, dem wissenschaftlichen Beirat der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Stiftung Marktwirtschaft.

Von 1988 bis 1990 war er Mitglied des SachverstĂ€ndigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Aus diesem Gremium schied er jedoch im September 1990 aus, als er ins Direktorium der Deutschen Bundesbank berufen wurde, wo er die Position des Chefvolkswirtes bis 1998 ĂŒbernahm.

Von 1998 bis 2006 war Issing eines von sechs Mitgliedern im Direktorium der EuropĂ€ischen Zentralbank (verantwortlich fĂŒr die Generaldirektionen Forschung und Wirtschaft) sowie der Chefökonom der EZB. Neben dem PrĂ€sidenten Wim Duisenberg wurde er als einziger fĂŒr die höchstmögliche Amtszeit von acht Jahren berufen, die Ernennung der anderen Direktoriumsmitglieder erfolgte hingegen einmalig gestaffelt (4–7 Jahre). Otmar Issing schied im Mai 2006 turnusgemĂ€ĂŸ aus dem Direktorium der EZB aus.

Er war 2007 bis 2018 „International Advisor“ der US-amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs und bereits seit Juni 2006 PrĂ€sident des Center for Financial Studies (CFS) an der UniversitĂ€t Frankfurt. Im Oktober 2008 ĂŒbernahm Issing den Vorsitz einer Expertengruppe, die im Auftrag der Bundesregierung (damals Kabinett Merkel I) VorschlĂ€ge fĂŒr eine Reform der internationalen FinanzmĂ€rkte erarbeiten sollte. Ihren sechsten und letzten Bericht ĂŒbergab die Kommission „Neue Finanzmarktarchitektur“ der Bundesregierung kurz vor dem G20-Gipfel in Cannes im November 2011. Er war außerdem Mitglied der G20 Eminent Persons Group fĂŒr Global Financial Governance, die von den G20-Finanzministern und Notenbankgouverneuren fĂŒr den Zeitraum 2017–2018 eingerichtet wurde.

Mitgliedschaften: Verein fĂŒr Socialpolitik, American Economic Association, Ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur (1989–1991 Korrespondierendes Mitglied), Academia Scientiarum et Artium Europaea, Walter Eucken Institut, FĂŒhrungskreis Institute for European Affairs (INEA), Euro50 Gruppe, Council for the Future of Europe (Nicolas Berggruen Institute), Advisory Board of Globalization and Monetary Policy Institute, Federal Reserve Bank of Dallas (bis 2016), International Advisory Council, Bocconi-UniversitrĂ€t Mailand (bis 2015).

Issing kritisierte in mehreren Interviews, dass VertrĂ€ge und Vereinbarungen, die die EU-Mitgliedstaaten zu Beginn der WĂ€hrungsunion geschlossen hatten, wĂ€hrend der Staatsschuldenkrise verletzt wurden.[1] Insbesondere warnte er davor, gegen die No-Bailout-Klausel zu verstoßen, die es verbietet, dass Regierungen fĂŒr die Schulden anderer LĂ€nder haften.[2][3][4] Issing kritisierte zudem die EZB vehement dafĂŒr, Staatsanleihen von KrisenlĂ€ndern aufzukaufen.[5][6][7] Er sprach sich darĂŒber hinaus gegen die Ansiedlung einer europĂ€ischen Bankenaufsicht bei der EZB aus.[8][9][10][11][12][13]

Auszeichnungen und Preise

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Die beiden Hauptschwerpunkte seiner wissenschaftlichen Publikationen sind die Gebiete Geldtheorie und -politik sowie die internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Weiterhin hat sich Otmar Issing auch der Dogmengeschichte der Nationalökonomie gewidmet.

  • Otmar Issing (1964), MonetĂ€re Probleme der Konjunkturpolitik in der EWG (Dissertation), Berlin: Duncker & Humblot
  • Otmar Issing (1965), LeitwĂ€hrung und internationale WĂ€hrungsordnung (Habilitation), Berlin: Duncker & Humblot
  • Otmar Issing (1974), EinfĂŒhrung in die Geldtheorie, MĂŒnchen: Vahlen, 15. Auflage 2011, ISBN 978-3-8006-3810-9
  • Otmar Issing (1981), EinfĂŒhrung in die Geldpolitik, MĂŒnchen: Vahlen, 6. Auflage 1996, ISBN 3-8006-2098-7
  • Otmar Issing (Hrsg., 1984), Geschichte der Nationalökonomie, MĂŒnchen: Vahlen, 4. Auflage 2002, ISBN 3-8006-2804-X
  • Erwin Dichtl, Otmar Issing (Hrsg., 1987), Vahlens großes Wirtschaftslexikon, MĂŒnchen: Vahlen, 2. Auflage 1994, ISBN 3-8006-1698-X
  • Helmut Hesse, Otmar Issing (Hrsg., 1994), Geld und Moral, MĂŒnchen: Vahlen, ISBN 3-8006-1832-X
  • Otmar Issing (1996), EinfĂŒhrung in die Geldpolitik, MĂŒnchen: Vahlen, ISBN 978-3-8006-2098-2
  • Otmar Issing (1998), Von der D-Mark zum Euro, TĂŒbingen: Mohr Siebeck, ISBN 978-3-16-146921-3
  • Otmar Issing (1999), Stabiles Geld – Fundament der Sozialen Marktwirtschaft, Rede
  • Otmar Issing, Vitor Gaspar, Ignazio Angeloni, Oreste Tristani (2001), Monetary Policy in the Euro Area, Cambridge University Press, ISBN 0-521-78888-9
  • Otmar Issing, Vitor Gaspar, Oreste Tristani, David Vestin (2005), Imperfect knowledge and Monetary Policy, Cambridge University Press
  • Otmar Issing (2008), Der Euro. Geburt – Erfolg – Zukunft, MĂŒnchen: Vahlen, ISBN 978-3-8006-3496-5
  • Otmar Issing, Andreas Scholz (2012), Wie wir den Euro retten und Europa stĂ€rken: Prof. Otmar Issing im GesprĂ€ch mit Andreas Scholz, Kulmbach: Börsenbuchverlag, ISBN 978-3-86470-079-8
  • Otmar Issing (2016), Der Euro in stĂŒrmischen Zeiten, MĂŒnchen: Vahlen, ISBN 978-3-8006-5256-3
  • Otmar Issing (2024): Von der D-Mark zum Euro – Erinnerungen des Chefökonomen, MĂŒnchen: Vahlen, ISBN 978-3-8006-7483-1

Otmar Issing war gemeinsam mit Erwin Dichtl 1972 BegrĂŒnder und (bis 1990) Mitherausgeber von Wirtschaftswissenschaftliches Studium, Zeitschrift fĂŒr Ausbildung und Hochschulkontakt (WiSt).

  1. ↑ Forschung Frankfurt 2.2012: Geld im Wandel (PDF; 11,0 MB)
  2. ↑ The Wall Street Journal, 14. Mai 2012: „Issing: Griechenland könnte keine andere Wahl haben als Euro zu verlassen“ (deutsche Fassung)
  3. ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. Juni 2012: „Europa in Not – Deutschland in Gefahr“
  4. ↑ Financial Times, 29. Juli 2012: „Europe’s political union is an idea worthy of satire“
  5. ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. August 2012: „Die EZB wird zum Gefangenen der Politik“
  6. ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. September 2012: „Otmar Issing warnt vor Politisierung der Notenbank“
  7. ↑ Die Welt, 26. September 2012: „Geldpolitik stĂ¶ĂŸt an ihre Grenzen“
  8. ↑ Financial Times, 29. Juli 2012: „Europe’s political union is an idea worthy of satire“
  9. ↑ Börsen-Zeitung, 19. September 2012: „Harte Kritik an BrĂŒsseler PlĂ€nen“
  10. ↑ Welt Online, 15. Oktober 2012: „Inflation ist die unsozialste Politik“
  11. ↑ Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. November 2012: „Issing warnt vor AufsichtsplĂ€nen“
  12. ↑ Handelsblatt, 1. November 2012: „Issing hĂ€lt Bankenunion fĂŒr Irrweg“
  13. ↑ Börsen-Zeitung, 29. Dezember 2012: „Der Bock als GĂ€rtner“
  14. ↑ Gustav-Stolper-Preis, Liste der Preistraeger. Website des Vereins fĂŒr Socialpolitik. Abgerufen am 24. Oktober 2019.