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Schellackplatte

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Die Schellackplatte ist der VorlĂ€ufer der heute noch hergestellten und hĂ€ufig anzutreffenden Vinylschallplatte. Beide sind nach dem Material benannt, aus dem sie ĂŒblicherweise bestehen.

Schellackplatte der Deutschen Grammophon-Aktiengesellschaft: Der Harem auf Reisen von Rudolf Nelson mit dem Tanz-Orchester Godwin

Schellackplatten hatten meistens einen Durchmesser von zehn Zoll (etwa 25 Zentimeter) oder zwölf Zoll (etwa 30 Zentimeter) und ĂŒberwiegend in Seitenschrift geschriebene Rillen, die mit einem gewöhnlichen Grammophon mit dicker Stahlnadel oder mit einem elektrischen Plattenspieler mit Spezialnadel abgetastet werden konnten. 10-Zoll-Schellackplatten boten maximal etwas mehr als drei Minuten, 12-Zoll-Schellackplatten etwas mehr als vier Minuten Spielzeit pro Seite. Letzteres war primĂ€r fĂŒr klassische MusikstĂŒcke interessant.

Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Schellackplatte ist die Abspieldrehzahl: Es gab Versuche mit 60 bis ĂŒber 100 Umdrehungen pro Minute, wobei sich 78 min−1 durchgesetzt haben. Schon um 1930 herum gab es aber vereinzelt „Langspiel“-Schellacks, die mit 33 1/3 min−1 liefen und pro Seite gut zehn Minuten Musik boten, etwa mit Ausschnitten aus BĂŒhnenshows; deren TonqualitĂ€t war aber gegenĂŒber den „78ern“ (noch) deutlich geringer.

PathĂ©-Schellackplatte im Phonomuseum „Alte Schule“ (50 cm Durchmesser, PathĂ© Concert Record (1909) nr 5860, wird von innen nach außen abgespielt)
Schellackplatte von 1952, Archiv Produktion der Deutschen Grammophon, mit Archivkarte in OriginalhĂŒlle

Im Oktober 1896 gab der Erfinder und Unternehmer Emil Berliner die Verwendung von Hartgummi als Plattenmaterial auf und ersetzte die Substanz durch eine von der Duranoid Co., Newark, New Jersey, hergestellte Pressmasse, die im Wesentlichen aus Schellack als Bindemittel bestand und ursprĂŒnglich fĂŒr Isolatoren entwickelt worden war. Der Schellack band die weiteren Bestandteile, die FĂŒllstoffe Bariumsulfat, Schiefermehl, Ruß, Asbest und Baumwollflock, zu einer verschleißfesten Masse. Die Neuerung verbesserte die KlangqualitĂ€t und Haltbarkeit der Platten enorm, ein Nachteil war jedoch die hohe Sprödigkeit und damit Bruchgefahr. Solange man aber Schallplatten wĂŒnschte, die sich auch rein mechanisch via Schalldose, also ohne elektrische VerstĂ€rkung, laut wiedergeben lassen, gab es keine praktikable Alternative.

In den USA kamen in den 1940er Jahren mehrere Faktoren zusammen, die einen Wechsel von Schellackmaterial zu PVC (Vinyl) nahelegten: Zum einen hatten sich Plattenspieler mit elektrischem Tonabnehmer durchgesetzt, zum anderen musste Schellack importiert werden. Da es bei Schallplatten, die fĂŒr Kinder gedacht sind, ein entscheidendes Verkaufsargument ist, dass sie praktisch unzerbrechlich sind, begann man ca. 1944 damit, sie in PVC zu pressen, Das Abspielformat blieb dabei zunĂ€chst bei der breiten Rille und 78 Umdrehungen.

Der weitere bedeutende Vorteil der Vinyl-Schallplatten ist, dass sie geringere Abspieldrehzahlen und dadurch eine lĂ€ngere Spieldauer ermöglicht. Dies ist vor allem im Bereich der klassischen Musik von Bedeutung: Eine Sinfonie oder Oper musste bei Schellackplatten auf mehrere Seiten verteilt werden, so dass es nicht möglich war, z. B. einen ganzen Satz oder Akt am StĂŒck zu hören. Neben Test- und VorfĂŒhrpressungen kam die Technik zunĂ€chst in Rundfunkstudios zum Einsatz. Ab 1948 wurden Vinyl-Schallplatten mit Mikrorille sowie die notwendigen AbspielgerĂ€te fĂŒr zu Hause herausgebracht.

Schellackplatten wurden in der Bundesrepublik Deutschland bis 1958, in anderen LĂ€ndern Europas bis in die frĂŒhen und in der sogenannten Dritten Welt noch bis in die spĂ€ten 1960er Jahre hergestellt. Die letzten Platten sollen 1972 in SĂŒdafrika gepresst worden sein. Noch bis in die frĂŒhen 1980er Jahre waren fast alle Plattenspieler mit der Geschwindigkeitseinstellung von 78 min−1 ausgerĂŒstet, ließen sich problemlos mit Nadeln fĂŒr Schellackplatten versehen und waren dadurch fĂŒr dieses Plattenformat geeignet.

Alle Rohstoffe werden sorgfĂ€ltig auf Fremdkörper untersucht, um dann in Misch- und Walzanlagen zu feinstem Pulver zerquetscht und zerrieben zu werden. Unter anderem geht die Masse durch RohrmĂŒhlen, die etwa 10 m lang und mit vielen tausend Kilogramm kleiner Eisenrollen gefĂŒllt sind. Durch diese Rollen erfolgt eine nochmalige Vermischung und innige Verbindung der Rohstoffe. Das so erreichte Staubgemisch wird von einem Becherwerk ĂŒber eine automatische Waage einem weiteren Mischer zugefĂŒhrt. Von diesem Mischer kommt das Pulver in EisenkĂ€sten zum Mischwalzwerk. Jedes Walzwerk besteht aus zwei nebeneinander liegenden Walzen, die durch Dampf erhitzt werden. Durch die WĂ€rme wird das Pulver zu einer teigartigen plastischen Masse, welche nach grĂŒndlicher Durchmischung abgenommen und einem gekĂŒhlten Kalander ĂŒbergeben wird. Der Kalander walzt die Masse in dĂŒnne, breite Bandstreifen aus, welche durch Messer in der LĂ€ngs- und Querrichtung in quadratische StĂŒcke geschnitten werden.

Nach dem Erstarren des Bandstreifens wird er in einzelne Tafeln zerbrochen und gelangt so in Kisten verpackt zur Presserei. Der Einrichter spannt in die Presse, die aus Presskopf und Pressteller besteht, je eine Matrize ein, die beiden Seiten der werdenden Platte. Der Presser hat die Aufgabe, das ihm in Tafeln angelieferte Pressmaterial auf einem Heiztisch anzuwĂ€rmen, aufzufĂŒllen und in die geöffnete Presse zu legen. Die von ihm hinzugefĂŒgten Etiketten werden gleichzeitig mit eingepresst. Alle anderen ArbeitsgĂ€nge erfolgen automatisch.

Die aus den Pressen kommenden Platten gehen in die Revision, wo jede Platte auf Press- und Schönheitsfehler hin untersucht wird. Mit MĂ€ngeln behaftete Platten werden wieder eingebrochen. Die einwandfreien Platten kommen zur Schleiferei. Dort werden sie durch Abschleifen zwischen zwei schnell umlaufenden Scheiben von dem noch anhaftenden Massegrat befreit. Jede 25. Platte jeder Presse geht zur MusikprĂŒfung. Wird ein Fabrikationsfehler festgestellt, so wird die betreffende Presse sofort angehalten, und alle bisher erfolgten Pressungen werden nachgeprĂŒft. Die fertigen Platten werden in PlattentĂŒten verpackt und kommen in den Sortierraum, von wo aus sie in die verschiedenen Lager kommen.

Abtastung der Platte

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Ungarische PathĂ©-Tiefenschriftplatte mit HĂŒlle; nur mit einem Saphir bei 90–100 min−1 abspielbar
Schellackplatte der Firma Gramophone, hergestellt in Hannover 1908. Eine frĂŒhe Pressung, bei der nur die Vorderseite abspielbar ist. Die RĂŒckseite zeigt das Firmenlogo.
Originalverpackungen fĂŒr Grammophon-Nadeln
Dual-Tonabnehmer mit Stahlnadel zur elektrischen Abtastung von Schellackplatten. Rechts im Bild: integrierter BehĂ€lter fĂŒr abgespielte Nadeln
Etikett einer 10-Zoll-Schellackplatte mit erkennbarem „78N“-Symbol, das auf Normalrillen und 78 min−1 Abspielgeschwindigkeit hinweist

Bei einem Grammophon fĂŒr Schellackplatten mit Seitenschrift, wie es in Deutschland ĂŒblich war, muss in der Regel nach dem Abspielen einer Plattenseite eine neue Nadel eingesetzt werden.

Zur Abtastung von Schellackplatten waren zunĂ€chst einige untereinander inkompatible Systeme auf dem Markt. Vor dem Ersten Weltkrieg war die französische Firma PathĂ© mit ihrem eigenen Tiefenschrift-Plattensystem noch auf dem Weltmarkt stark vertreten. Da PathĂ© zum Zeitpunkt des Aufkommens der Schellackplatten bereits ĂŒber einen großen Fundus von Phonographen-Walzen verfĂŒgte, deren Grundlage ebenfalls die Tiefenschrift war und die diese Gesellschaft mechanisch auf ihre Platten kopierte, konnte die Firma mit einem fĂŒr die damalige Zeit unerwartet großen Sortiment ins GeschĂ€ft einsteigen. Die mit Tiefenschrift aufgenommenen Platten sollen nicht mit einer Grammophonnadel abgespielt werden. FĂŒr sie gibt es einen speziell abgerundeten Saphir, der je nach PlattengrĂ¶ĂŸe bei 80 bis 90, bei 90 bis 100 oder sogar bei 120 bis 130 min−1 die PathĂ©-Scheiben zum Klingen bringt. FĂŒr die Platten gab es das PathĂ©phone oder als Adapter fĂŒr Grammophone eine PathĂ©-Schalldose, deren besonderes Merkmal die quer zur Rille senkrecht stehende Membran ist (im Gegensatz zur waagerechten Membran bei den Edison-Schalldosen und zur parallel zur Rille angeordneten Schalldose bei den Grammophonen). Anfangs liefen PathĂ©s Platten immer von innen nach außen und waren mit eingravierten Beschriftungen anstatt mit Etiketten versehen. Dies Ă€nderte sich erst in den 1920er Jahren. Damals ĂŒbernahm PathĂ© auch das international ĂŒblich gewordene Seitenschrift-Verfahren und brachte viele Aufnahmen parallel in beiden Formaten heraus. PathĂ©-Schallplatten wurden in verschiedenen GrĂ¶ĂŸen gepresst, die von rund 17 cm Durchmesser bis hin zu 50 cm Durchmesser reichten und dann als PathĂ© Concert Record verkauft wurden. Diese grĂ¶ĂŸten jemals kommerziell hergestellten Schallplatten, die bei gleicher Spieldauer eine deutlich grĂ¶ĂŸere LautstĂ€rke boten als die normalen, und auch die dazugehörigen AbspielgerĂ€te mit entsprechend langen Tonarmen sind heute sehr selten. Letztere waren hauptsĂ€chlich als Starkton-Apparate fĂŒr den Einsatz in Gastwirtschaften gedacht und teilweise schon mit MĂŒnzeinwurf ausgestattet.

Eine weitere frĂŒhe Variante stellte die nordamerikanische „Edison Diamond Disc“ (teilweise auch als „Edison Recreation Disc“ auf den Markt gebracht) dar, welche jedoch nicht aus Schellack gefertigt wurde und sechs Millimeter dick war. Auch diese in Europa eher seltenen Platten können nicht mit dem Grammophon abgespielt werden. Edison hatte dafĂŒr den „Disc Phonograph“ entwickelt, der sich durch eine ausgesprochen gute TonqualitĂ€t, aber auch aufwendige Technik auszeichnete.

FĂŒr die gewöhnliche Schellackplatte mit Seitenschrift ist nicht nur eine Geschwindigkeit von (in der Regel) 78 min−1 nötig, sondern auch ein dafĂŒr geeigneter Tonabnehmer. Da die Rillen von Schellackplatten breiter sind als die der Vinylplatten, muss auch die Nadel zur Abtastung entsprechend dicker sein; ĂŒblich ist ein Verrundungsradius von 65 ”m.

FĂŒr Vinylplatten gedachte (dĂŒnne) Nadeln wĂŒrden bei Schellackplatten keine gute TonqualitĂ€t ergeben und könnten beschĂ€digt werden. FĂŒr Schellackplatten gedachte (dicke) Nadeln springen bei Vinylplatten aus den schmalen Rillen heraus oder quetschen sie breit und zerstören sie dadurch.

Bei einem Plattenspieler, der fĂŒr beide Plattenarten gedacht ist, enthĂ€lt der Tonabnehmer in der Regel zwei Nadeln, die ĂŒber einen Hebel umschaltbar sind. Wo keine Umschaltung möglich ist, muss beim Austausch der Platten auch der Tonabnehmer gewechselt werden.

Nach dem Aufkommen der Vinylplatten wurden Schellackplatten mit einem N (fĂŒr Normalrillen) in einem Viereck gekennzeichnet, wĂ€hrend Vinylplatten ein M (fĂŒr Mikrorillen) in einem Dreieck erhielten. Entsprechend waren auch die Hebel fĂŒr die Umschaltung der Nadel an den Plattenspielern gekennzeichnet (teilweise durch die Buchstaben, teilweise nur durch Symbole, jeweils in GrĂŒn fĂŒr die Normal- und Rot fĂŒr die Mikronadel).

  • Die Deutsche National-Discographie ist eine Diskografie der in Deutschland von 1890 bis 1960 herausgegebenen Schellackplatten.
  • Alexander Loulakis (1924–2011) schuf wohl die grĂ¶ĂŸte private Schellackplattensammlung Deutschlands mit ĂŒber 420.000 Titeln.
  • Die Schweizerische Stiftung Public Domain besitzt laut eigener Aussage ungefĂ€hr 70.000 Schellackplatten. Die Sammlung wird durch Spenden erweitert. Die Titel sollen digitalisiert und – soweit es legal möglich ist – auf der Internetseite als digitalisierte Tonaufnahmen frei zugĂ€nglich gemacht werden. Es sind dort bereits 17.964 (Stand: 06/2025) digitalisierte Tonaufnahmen verfĂŒgbar.[1]
  • Im Internet Archive sind unter dem Projektnamen The Great 78 Project Über 400000 Schellackplatten digitalisiert, diese können kostenlos angehört und auch heruntergeladen werden.[2]
  • Martin Fischer: Faszination Schellack: Grammophone, Schellackplatten, Nadeldosen. Battenberg Verlag, Regenstauf 2006, ISBN 3-86646-008-2.
  • Fritz Bergtold: Moderne Schallplattentechnik. Taschen-Lehrbuch der Schallplatten Wiedergabe. Franzis-Verlag, MĂŒnchen 1959.
Commons: Schellackplatte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. ↑ Start. In: publicdomainpool.org. Schweizerische Stiftung Public Domain, 13. Februar 2022, abgerufen am 19. Juni 2025 (deutsch, englisch).
  2. ↑ The Great 78 Project – Community Preservation, Research, Discovery of 78rpm Records. Abgerufen am 8. Januar 2024 (amerikanisches Englisch).