Wildbiene

Als Wildbienen bezeichnet man sĂ€mtliche Arten der Bienen aus der Ăberfamilie Apoidea mit Ausnahme der als Nutztiere gehaltenen Honigbienen. Der Begriff Wildbiene hat keine Relevanz in der biologischen Systematik.
In der Zoologie war auch schon der Name Blumenwespen als Bezeichnung fĂŒr diese Gruppe der Bienen gelĂ€ufig. Damit drĂŒckte man die Ăhnlichkeit mancher Bienengruppen, z. B. Maskenbienen oder Blutbienen, mit den verwandten Grabwespen aus. FĂŒr gröĂere, pelzigere Arten, etwa Pelzbienen oder Hummeln, ist diese Bezeichnung aber nicht passend. Inzwischen wird diese Benennung auch kaum noch verwendet.
Der Begriff Wildbiene wird heute verwendet, um in Publikationen fĂŒr die breite Ăffentlichkeit, etwa Tipps zum Naturschutz, eine Abgrenzung zur Imkerei aufzuzeigen. Bei der umgangssprachlichen Bezeichnung Biene ist hĂ€ufig die bekannteste Bienenart, die Westliche Honigbiene gemeint. Frei in der Natur lebende Kolonien von Honigbienen werden umgangssprachlich als âwilde Bienenâ, âwildlebende Honigbienenâ, âWildvölkerâ, âWildbienenâ oder âverwilderte Honigbienenkolonienâ bezeichnet.[1][2][3][4][5][6][7]
Lebensweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Allgemein
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Es werden ca. 30.000 unterschiedliche Wildbienenarten auf der Erde beschrieben, davon in Deutschland je nach Expertise, Alter der Publikation und verwendetem Artkonzept 548,[8] gut 550[9] oder 574.[10] In Baden-WĂŒrttemberg leben dabei etwa doppelt so viele Arten wie in Schleswig-Holstein.[11]
Die Arten unterscheiden sich optisch durch GröĂe, FĂ€rbung oder Musterung, sind aber vielfach nur schwer bis zur Art bestimmbar. Sie zeigen LĂ€ngen zwischen 1,3 Millimetern und drei Zentimetern.
Gravierend verschieden sind hingegen die bevorzugten Nahrungspflanzen und Nistplatzanforderungen. Viele solitĂ€r lebende Wildbienen sind auf eine einzige Pflanzenart oder Gattung angewiesen, sind also Nahrungsspezialisten (oligolektische Arten). Diese Arten sind also auch auf die BlĂŒhzeit ihrer Nahrungspflanzen angewiesen. Andere Arten hingegen können Pollen von verschiedenen Pflanzen nutzen, sind also eher Generalisten (polylektische Arten). Diese Arten können dann auch lĂ€ngere Zeit im Jahr aktiv sein. Staatenbildende Bienen wie die Hummeln und manche Schmalbienen (Lasioglossum) sind ebenso wie die Honigbiene polylektisch. Stets dient der Pollenvorrat als Nahrung fĂŒr die Larven. Die erwachsenen (adulten) Tiere nehmen als Betriebsstoff insbesondere Nektar auf.
Der Pollen wird unterschiedlich zum Nest transportiert. Wichtig ist dabei meistens, dass die Bienen verzweigte Haare haben. Viele Arten transportieren den Pollen mit den Hinterbeinen (Beinsammler), zum Beispiel die Gattungen Lasioglossum, Halictus und Macropis. Die Sandbienen (Andrena) haben zusĂ€tzlich zu den Sammelhaaren an den Beinen auch ein mit Haaren umstandenes âKörbchenâ an den Hinterseiten des Thorax. Die Hummeln tragen ebenso wie die Honigbienen den angefeuchteten Pollen auf der AuĂenseite der Hinterbeine, die glatt ist, aber mit Haaren umgeben (âHöschenâ). Die Arten der Megachilidae haben an der Ventralseite des Hinterleibes dichte Haare (âBauchbĂŒrsteâ), mit denen sie den Pollen transportieren. Die Maskenbienen und Holzbienen verschlucken den Pollen und transportieren ihn im Kropf, aus dem sie ihn im Nest (mit dem ebenso gesammelten Nektar) wieder auswĂŒrgen.
Eine Besonderheit sind ölsammelnde Bienen wie die Macropis europaea, die an Gilbweiderich Pflanzenöl sammeln.
Verschiedene Bodenarten fördern jeweils das Vorkommen besonderer Wildbienen, da sie unterschiedliche Materialien zum Nestbau benutzen; 75 % nisten im Boden.[11]
Arten-Unterteilung nach SozialitÀt der Lebensweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wildbienenarten können nach ihrer Lebensweise in drei GroĂgruppen eingeteilt werden:
Bienen mit sozialer Lebensweise
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Bienen mit sozialer Lebensweise sind die Furchenbienen, Hummeln und Honigbienen. Diese Bienen betreiben im Gegensatz zu SolitĂ€rbienen Brutpflege; sie versorgen und fĂŒttern ihren Nachwuchs, wenn dieser schlĂŒpft und treten mit ihm in Wechselwirkung. Es besteht Arbeitsteilung, mehrere unterscheidbare Teilgruppen, die Kasten genannt werden, erfĂŒllen arbeitsteilig verschiedene Aufgaben. Mehrere Generationen leben zusammen, meist in FamilienverbĂ€nden aus MĂŒttern und Töchtern.
Zu den primitiv eusozialen Arten gehören die Furchenbienen der Gattungen Halictus und Lasioglossum. Bei ihnen unterscheiden sich die Individuen der Kasten nur im Verhalten oder ggf. der Physiologie, aber nicht morphologisch. Es gibt hier verschiedene Stadien der sozialen Lebensweise: manche Arten bilden Nestaggregationen (d. h. mehrere Weibchen nisten nahe beieinander) und bei anderen Arten benutzen mehrere Weibchen ein gemeinsames Nest. Bei wieder anderen Arten kommen echte Arbeiterinnen vor, d. h. einige Weibchen versorgen im gemeinsamen Nest die Brut ihrer Mutter, anstatt eigenen Nachwuchs groĂzuziehen (wie zum Beispiel die o. g. Hummeln und die Honigbiene). Ein Beispiel hierfĂŒr sind die Waben der Vierbindigen Furchenbiene (Halictus quadricinctus).
Komplex eusoziale Arten unterscheiden sich in Verhalten, Physiologie, KörpergröĂe und unterschiedlicher Morphologie mit unterschiedlichen Körpermerkmalen. Hierzu gehören die Honigbienen (Apini) und die stachellosen Bienen (Meliponini).
Die Hummeln (Bombus) stehen zwischen primitiv und komplex eusozial. Ein Honigbienenvolk besteht kontinuierlich ĂŒber mehrere Jahre, ganz im Gegensatz zu den Hummeln. Hier ist dieses Verhalten nur in einem bestimmten Zeitraum, in der Vegetationszeit zu finden. Danach löst sich der Staat auf und alle Tiere sterben ab, bis auf die jungen, bereits begatteten Königinnen. Diese fliegen aus und suchen sich geschĂŒtzte Verstecke zum Ăberwintern, um dann im nĂ€chsten FrĂŒhjahr wieder ein neues Volk zu grĂŒnden.
SolitÀr lebende Bienen
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Die solitĂ€r lebenden Bienen, so genannte Einsiedlerbienen, sind mit einem Anteil von 95 % der Arten[11] die gröĂte dieser drei Gruppen: Die Einsiedlerbienen sind EinzelgĂ€nger und sowohl Weibchen wie MĂ€nnchen, die meist als Puppe oder junge, in der PuppenhĂŒlle eingeschlossene Imagines ĂŒberwintert haben, kommen im FrĂŒhjahr des nĂ€chsten Jahres aus der Brutröhre heraus, um fĂŒr Nachkommen zu sorgen. Da die Individuen dieser Arten nur wenige Wochen leben, beginnt das Weibchen nach der Paarung sofort mit dem Nestbau und der Sammlung von Nektar und Pollen. Die eingeholte Nahrung dient nur zum kleinen Teil der Deckung des eigenen Bedarfes. Vielmehr lagert die Biene die Nahrung in einer Brutzelle ein, in die sie, wenn ausreichend Nektar und Pollen angesammelt sind, ein Ei ablegt. Daraufhin verschlieĂt sie das Gelege mit einer Trennwand aus Lehm u. a., um weitere Brutröhren anzulegen. Dieses Verhalten wird als BrutfĂŒrsorge bezeichnet. Die spĂ€ter schlĂŒpfende Larve kann sich dann vom angesammelten Proviant ernĂ€hren und entwickelt sich zur ausgewachsenen Biene.
Kuckucksbienen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die dritte und letzte Gruppe sind die Kuckucksbienen: Sie bauen, anders als ihre Verwandten aus den vorherigen Gruppen, keine eigenen Nester, sondern haben sich darauf spezialisiert, fremde Nester fĂŒr die Aufzucht ihrer eigenen Brut zu nutzen â wie der Kuckuck, daher der Name. Sie nutzen die Situation, wenn die Nestbauerin (meist eine SolitĂ€rbiene) gerade auf Pollensuche ist, und legen ihre Eier in die fremde Brutzelle, die schon teilweise mit Vorrat gefĂŒllt ist. Die fremden Eier oder Larven werden dabei teilweise ebenfalls zu FuttervorrĂ€ten. Nehmen die schmarotzenden Bienen in einer Wirtspopulation ĂŒberhand, bricht diese im nĂ€chsten Jahr bei ungĂŒnstigen VerhĂ€ltnissen zusammen, da nun die Anzahl der Schmarotzer die der Wirte ĂŒbersteigt. Folgerichtig verschwinden dann auch alle Schmarotzer. Einzelne ĂŒberlebende oder eingewanderte SolitĂ€rbienen bauen nach und nach von neuem eine Wirtspopulation auf, und bald ist auch wieder die Schmarotzerart zu finden. Kuckucksbienen bevorzugen oft die gleichen Pflanzen als Nahrungsquellen wie ihre Wirtsbienen. Rund 25 % der heimischen Wildbienenarten sind Kuckucksbienen. Beispiele fĂŒr Kuckucksbienen sind Arten der Blutbienen (Sphecodes spec.), Kegelbienen (Coelioxys spec.) und Fleckenbienen (Crocisa spec.).
Wildbiene des Jahres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Als Aktion des Arbeitskreises Wildbienen-Kataster, der Landesanstalt fĂŒr Bienenkunde Baden-WĂŒrttemberg sowie der ImkerverbĂ€nde Badens und WĂŒrttembergs benennt seit 2013 das Kuratorium âWildbiene des Jahresâ âalljĂ€hrlich eine besonders interessante Wildbienenart [âŠ], um einen Einblick in die faszinierende Welt der Wildbienen zu ermöglichenâ:[12]
Folgende Arten wurden seit dem Jahr 2013 zur âWildbiene des Jahresâ ausgewĂ€hlt:[13]
- 2013: Zweifarbige Schneckenhausbiene (Osmia bicolor)
- 2014: Garten-Wollbiene (Anthidium manicatum)
- 2015: ZaunrĂŒben-Sandbiene (Andrena florea)
- 2016: Waldhummel (Bombus sylvarum)
- 2017: Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana)
- 2018: Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)
- 2019: Senf-Blauschillersandbiene (Andrena agilissima)
- 2020: Auen-Schenkelbiene (Macropis europaea)
- 2021: Mai-Langhornbiene (Eucera nigrescens)
- 2022: Rainfarn-Maskenbiene (Hylaeus nigritus)
- 2023: FrĂŒhlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)
- 2024: GroĂe Holzbiene (Xylocopa violacea)
- 2025: Garten-Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella)
FĂŒr das Jahr 2019 wurde auĂerdem die Rote Mauerbiene zum âInsekt des Jahresâ gewĂ€hlt.
GefÀhrdung und Schutz
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Mehr als 50 % der deutschen Wildbienenarten stehen auf der Roten Liste gefĂ€hrdeter Arten, 7 % sind inzwischen verschollen und höchstwahrscheinlich ausgestorben.[14] In der Schweiz sind 45 % der heimischen Wildbienen gefĂ€hrdet, davon sind 9,6 % in der Schweiz ausgestorben.[15] Wildbienen sind zwar in Deutschland laut Bundesartenschutzverordnung geschĂŒtzt, aber es wird auch darauf hingewiesen, dass die Wirkung des gesetzlichen Naturschutzes âumstrittenâ ist.[16] Es gibt eine Reihe von Initiativen zur Förderung der BestĂ€nde,[17] z. B. von der Deutschen Wildtierstiftung,[18] aber die wirklichen Ursachen, vor allem Verlust des Lebensraumes und die vielfĂ€ltigen Schadstoffbelastungen, fĂŒhren zu immer weiterem RĂŒckgang der BestĂ€nde.[14][19]
Honigbienen können Viren wie z. B. das FlĂŒgeldeformationsvirus auf Wildbienen und Hummeln ĂŒbertragen.[20][21] Honigbienen stehen auch sonst in Konkurrenz zu den Wildbienen. Da die BlĂŒtenflĂ€chen beschrĂ€nkt sind, kann es wegen der hohen Dichte an Honigbienenvölkern, besonders in den StĂ€dten, zu einem Nahrungsmangel kommen.[22][23]
Dass Wildbienen in ihrem Bestand gefĂ€hrdet sind, ist insbesondere wegen ihrer Bedeutung als BestĂ€uber von Gewicht. Die BestĂ€ubung durch Wildbienen und Hummeln setzt bereits im MĂ€rz ein, in der Regel also einige Zeit vor der BestĂ€ubung durch Honigbienen. Sie findet dabei auch bei KĂ€lte und bedecktem Himmel statt. So zĂ€hlen diese Insekten im Garten wie mittlerweile auch im Erwerbsobstbau (ein Individuum bestĂ€ubt bis zu 5000 BlĂŒten pro Tag)[24] zu den erwĂŒnschten NĂŒtzlingen. (Dies gilt auch fĂŒr die Schadinsektenvertilgung durch Grab- und SolitĂ€rwespen â nicht zu verwechseln mit den staatenbildenden Echten Wespen).
Den Bestand von Wildbienen kann man unter anderem durch Schutz und Bereitstellung von NistplĂ€tzen oder der Trachtpflanzen unterstĂŒtzen:
UnterstĂŒtzung der Ansiedlung in Feld, Acker und Garten
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Durch Artenarmut und Neigung zu maschinengerechter âAufgerĂ€umtheitâ in der industriellen Land- und Forstwirtschaft, d. h. durch die schnelle Beseitigung von Totholz, Trockenhalmen, Reisighaufen und Lesesteinhaufen selbst in optisch nicht störenden, sogenannten âtoten Winkelnâ und am Ackerrand, sind viele natĂŒrliche LebensrĂ€ume von Wildbienen geschĂ€digt oder zerstört worden. Insbesondere RuderalflĂ€chen sind oft von besonderer Bedeutung und sollten deshalb erhalten bleiben. Um ihre lĂ€ngerfristige Ansiedlung und Vermehrung zu fördern, kann man als teilweisen Ersatz geeignete WohnstĂ€tten und Nistgelegenheiten schaffen. Rund drei Viertel der heimischen Bienenarten nisten im Boden. FĂŒr diese kann man Sand- und LehmflĂ€chen anlegen[25], die möglichst vor Regen geschĂŒtzt sind, oder an sonnenexponierten Stellen kleine HĂŒgel aus lehmigem Sand errichten, die mit Holz oder Steinen stabilisiert sind. Ansammlungen von Nestern z. B. an unbefestigten Wegen oder an HeckenrĂ€ndern sind unbedingt zu schĂŒtzen, da es bei Wildbienen, die im Boden nisten, oft Jahre dauern kann, bis sich eine neue Nestansammlung entwickelt. Manche Arten nisten in SteilwĂ€nden. Diese kann man z. B. durch die Anlage von Trockenmauern unterstĂŒtzen.
Die Hohlraumbewohner unter den Wildbienen kann man durch Angebote von Wildbienenhotels unterstĂŒtzen. Der ideale Standort fĂŒr ein Wildbienenhotel ist vollsonnig und witterungsgeschĂŒtzt. So wird einerseits sichergestellt, dass die fĂŒr die Brut benötigte WĂ€rme vorhanden ist, andererseits ist ausreichender Schutz vor Wind und NiederschlĂ€gen vorhanden, so dass die Insekten das kĂŒnstliche Quartier gut annehmen und die verbauten Naturmaterialien so möglichst lange halten. Gerne angenommenes Inventar eines Wildbienenhotels sind spezielle Bienensteine[26] aus gebranntem Ton oder Hartholz-Nistblöcke mit sauber und splitterfrei hergestellten Sackbohrungen mit Durchmessern zwischen drei und neun Millimetern. Auch hohle PflanzenstĂ€ngel[27] wie Bambus, Schilf oder Stroh werden gerne besiedelt, mĂŒssen aber am hinteren Ende verschlossen sein. Andere Arten wiederum bevorzugen markhaltige PflanzenstĂ€ngel als Nistgelegenheit (vorzugsweise BrombeerstĂ€ngel) und nagen ihre NistgĂ€nge ins Mark. DarĂŒber hinaus gibt es Arten, die vergrautes Holz benötigen, in frischem Holz nisten sie nicht. Verlassene Röhren von KĂ€ferlarven, ehemals bewohnte Gallwespenblasen oder SchneckenhĂ€user werden ebenfalls von einzelnen Spezies als WohnstĂ€tten genutzt.
Heimwerker orientieren sich beim Selbstbau von Wildbienenhotels hĂ€ufig an kĂ€uflichen Modellen aus BaumĂ€rkten, Gartencentern oder dem Internethandel, die aber vermutlich aus betriebswirtschaftlichen und marktpsychologischen GrĂŒnden oftmals nicht fachgerecht ausgefĂŒhrt sind.[28] Dadurch vererben sich die Fehler nach dem Schneeballsystem. Die am meisten verbreiteten Fehler sind Bohrungen ins Stirnholz von Baumscheiben und die Verwendung von Hohllochziegeln, deren quaderförmige Hohlkammern von den Wildbienen nicht angenommen werden.
FĂŒr Hummeln sollte man NistkĂ€sten aufstellen. Derlei MaĂnahmen sind hĂ€ufig die einzigen, wie ein Einzelner einen unkomplizierten, direkten Beitrag zum Schutz von Wildbienen leisten kann. Allerdings helfen sie nur einem begrenzten Spektrum eher hĂ€ufiger Arten. Hoch gefĂ€hrdete bzw. seltene Spezialisten sind vielfach abseits der urbanen LebensrĂ€ume anzutreffen.[29]
Trachtpflanzen fĂŒr Wildbienen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Da viele Arten von Wildbienen bestimmte Pflanzen benötigen, um ihren Larvenproviant zu sammeln, kann es sehr hilfreich sein, die entsprechenden BestĂ€nde an Nahrungspflanzen zu schĂŒtzen oder zu verbreiten. Dazu muss man natĂŒrlich die BedĂŒrfnisse der jeweiligen Zielart kennen. Es kann aber auch hilfreich sein, gezielt Samen (âBlĂŒhmischungenâ) auszubringen oder bestehende blĂŒtenreiche BestĂ€nde (BĂ€ume, StrĂ€ucher, Wildblumen) zu erhalten und zu pflegen.[30] Wenn Samen ausgebreitet werden, dann ist darauf zu achten, dass gebietseigene HerkĂŒnfte (gebietseigenes Saatgut und gebietseigene Gehölze) aus zertifizierten Mischungen verwendet werden. Es ist zu beachten, dass in der freien Natur (auĂerhalb des Siedlungsbereiches) ab 2020 nach § 40 Bundesnaturschutzgesetz nur noch gebietseigene HerkĂŒnfte ausgebracht werden dĂŒrfen. Viele der von Discountern oder in BaumĂ€rkten angebotenen BlĂŒhmischungen sind wertlos, weil die blĂŒhenden Pflanzenarten zwar schön aussehen, aber von den Bienen nicht genutzt werden können.[31] Es handelt sich hier zumeist um Zuchtsaatgut, nicht um Wildpflanzen. Zudem enthalten einige dieser Mischungen zum Teil auch Neophyten oder sogar invasive oder potenziell invasive âPlagepflanzenâ-Arten.
Gefahr fĂŒr den Menschen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Wildbienen greifen von sich aus niemanden an. WĂ€hrend Honigbienen und manche Hummelarten in der NĂ€he des Nestes einen Störenfried gezielt angreifen und zu vertreiben versuchen, kommt es bei den anderen heimischen Bienen nur dann zu einem Stich, wenn sich die Weibchen individuell bedroht fĂŒhlen, etwa wenn man die Tiere zwischen den Fingern drĂŒckt, mit bloĂen FĂŒĂen auf sie tritt oder sie zwischen Bekleidung und Haut geraten. Manche Wildbienen, wie die Arten der Gattungen Andrena (Sandbienen) und Hylaeus (Maskenbienen), können die menschliche Haut mit ihrem Stachel nicht durchbohren. Lediglich Weibchen besitzen einen Stachel, da dieser phylogenetisch von einem Legebohrer abstammt.[32]
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Helmut und Margrit Hintermeier: Bienen, Hummeln, Wespen im Garten und in der Landschaft. Obst- und Gartenbauverlag, MĂŒnchen 2005, ISBN 3-87596-099-8.
- Hemmer Cornelis und Dr. Corinna Hölzer: Wir tun was fĂŒr Bienen; Wildbienengarten, Insektenhotel und Stadtimkerei. Kosmos Verlag, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-440-15412-0.
- Wolf R. GĂŒnzel, Margret Schneevoigt (Illustrationen): Das Insektenhotel. Naturschutz erleben. Bauanleitungen â TierportrĂ€ts â Gartentipps. 11. Auflage. pala-verlag, Darmstadt 2019, ISBN 978-3-89566-385-7.
- Das Wildbienenhotel: Naturschutz im Garten. pala-verlag, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-89566-244-7.
- Andreas MĂŒller, Albert Krebs, Felix Amiet: Bienen. MitteleuropĂ€ische Gattungen, Lebensweise, Beobachtung. Naturbuch-Verlag, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-89440-241-5.
- Erwin Scheuchl und Hans Richard Schwenninger: Kritisches Verzeichnis und aktuelle Checkliste der Wildbienen Deutschlands (Hymenoptera, Anthophila) sowie Anmerkungen zur GefÀhrdung. In: Mitteilungen des Entomologischen Vereins Stuttgart. Jg. 50, 2015, Heft 1, 228 S. (entomologie-stuttgart.de).
- Karl WeiĂ: Bienen und Bienenvölker. C. H. Beck, MĂŒnchen 1997, ISBN 3-406-41867-8.
- Paul Westrich: Wildbienen Die anderen Bienen. Verlag Dr. Friedrich Pfeil, MĂŒnchen 2015, ISBN 978-3-89937-136-9.
- Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer Verlag, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8186-0123-2.
- BĂ€rbel Oftring: Wildbienenfreundlich gĂ€rtnern fĂŒr Balkon, Terrasse und kleine GĂ€rten â GĂ€rtnertipps fĂŒr mehr Insektenschutz und Artenvielfalt. Edition Michael Fischer, Igling 2020, ISBN 978-3-96093-290-1.
Filme
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Biene Majas wilde Schwestern. Dokumentarfilm von Jan Haft
- My Garden of a Thousand Bees. - Mein Garten, reich an Bienen. 2021 - Dokumentarfilm von Martin Dohrn
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und ĂŒber Wildbiene im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- apidarium.de: Bildergalerie freigestellter Wildbienenfotos als Bestimmungshilfe
- bluehende-landschaft.de: Netzwerk BlĂŒhende Landschaft
- bund.net: Aktion Wildbienen. Bund fĂŒr Umwelt- und Naturschutz Deutschland e. V. (BUND)
- deutschland-summt.de: bundesweite Initiative fĂŒr den Bienenschutz
- nabu.de: Bienen. Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU)
- mecklenburg-vorpommern.nabu.de: Naturerlebnis Wildbienen
- wildbee.ch: Wir schĂŒtzen Wildbienen
- wildbiene.com
- wildbienen.de
- wildbienen.de: Kalender mit Flugzeiten zahlreicher einheimischer Arten
- wildbienen.info: Umfassende Seite des Apidologen Paul Westrich
- wildbienen-kataster.de: Arbeitskreis Wildbienen-Kataster
- wildbienenschutz.de
- wildbienenwelt.de - Site vom Ulmer-Verlag auch zu Wildbienenpflanzen
- Brigitte Kohn: Wildbienen â Die einsamen Königinnen. Bayern 2. Reihe Radiowissen. Ausstrahlung am 7. Juni 2019 (Podcast)
- naturadb.de: Datenbank mit wildbienenfreundlichen Pflanzen
- Bedrohte Insekten. Wie geht es den Wildbienen? am 20. Mai 2023 auf tagesschau.de
Quellen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- â Thomas D. Seeley: Auf der Spur der wilden Bienen. Die Kunst der Honigjagd. Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-596-29702-3 (Vorschau der Ausgabe 2017 in der Google-Buchsuche [abgerufen am 14. Juli 2021] englisch: Following the wild bees. Ăbersetzt von Sebastian Vogel).
- â Patrick Laurenz Kohl, Benjamin Rutschmann: The neglected bee trees: European beech forests as a home for feral honey bee colonies. In: PeerJ. 6. Jahrgang, Nr. 3, 6. April 2018, S. e4602, doi:10.7717/peerj.4602 (englisch, researchgate.net).
- â Benjamin Rutschmann, Patrick L Kohl, Juergen Tautz, Ingolf Steffan-Dewenter: Feral honey bee colonies in German beech forests. In: TierĂ€rztliche Praxis. Ausgabe G, Grosstiere/Nutztiere. 47. Jahrgang, Nr. 5, Oktober 2019, S. s-0039â1697706, doi:10.1055/s-0039-1697706 (englisch, researchgate.net).
- â Wild lebende Honigbienenvölker und ihr Verhalten. Fachberichte. In: Deutsches Bienen-Journal. dbv network GmbH, 16. Juli 2018, abgerufen am 16. Juli 2021.
- â Torben Schiffer: Beekeeping-rEvolution. Ein Projekt zur Wiederanerkennung der Honigbiene als Wildtier. In: beekeeping-revolution.com. BeeNature-Save the Bees, Verein zur Rettung der Honigbienen e. V., abgerufen am 14. Juli 2021.
- â Torben Schiffer: Evolution der Bienenhaltung: Artenschutz fĂŒr Honigbienen. Bienen besser verstehen. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-8186-0924-5.
- â Torben Schiffer: Der wahre Preis des Honigs â Artenschutz fĂŒr Honigbienen! In: Imkern heute. Das Fachmagazin fĂŒr Bienenzucht-Wirtschaft und Forschung. Ausgabe 9, Herbst/Winter 2020. WV Buch-Kunst-Musik Verlag, 4. Dezember 2020, ZDB-ID 2964915-8, S. 36â54 (beenature-project.com [PDF; 992 kB; abgerufen am 14. Juli 2021]).
- â Paul Westrich, Holger H. Dathe: Die Bienenarten Deutschlands (Hymenoptera, Apidae). Berichtigungen und ErgĂ€nzungen. In: Entomologische Zeitschrift. 108 (1998), Nr. 4, ISSN 0013-8843, S. 154â156 (wildbienen.info [PDF, 460 kB]).
- â Wildbienen: Artenportraits (EinfĂŒhrung). In: Wildbienen.de, Hans-JĂŒrgen Martin, abgerufen am 17. Juli 2021 (private Homepage).
- â Christian Schmid-Egger: Allgemeine Anmerkungen zu den Apidae. In: bembiX online. Christian Schmid-Egger, 5. Juni 2012, archiviert vom am 15. August 2018; abgerufen am 17. Juli 2021 (Unter Angabe der Literatur: Paul Westrich: Die Wildbienen Baden-WĂŒrttembergs. Ulmer Verlag, Stuttgart 1989.).
- 1 2 3 Birgit Vey: Fast die HĂ€lfte aller Wildbienen ist bedroht. In: Badische Zeitung. 5. Oktober 2013, abgerufen am 7. Oktober 2013.
- â Wildbiene des Jahres 2020. (PDF; 5,3Â MB) In: wildbienen-kataster.de, 19. November 2019, abgerufen am 15. Juli 2021.
- â Arbeitskreis Wildbienen-Kataster, Staatliches Museum fĂŒr Naturkunde Stuttgart, Landesanstalt fĂŒr Bienenkunde, Imkerverband Baden, Imkerverband WĂŒrttemberg: Wildbienen-Kataster. In: Wildbienen-Kataster. Prosi-Cad, abgerufen am 5. August 2021.
- 1 2 Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands. E. Ulmer, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8186-0123-2, S. 7, 409.
- â Wildbienen: Das BAFU publiziert die neue Rote Liste. In: Bundesamt fĂŒr Umwelt BAFU. 17. Mai 2024, abgerufen am 27. Mai 2024.
- â Wildbienenschutz: Gesetze. In: wildbienen.de. Abgerufen am 22. MĂ€rz 2019.
- â Claudia Fromme: So bietet man Bienen ein schönes PlĂ€tzchen. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 19. MĂ€rz 2019 (sueddeutsche.de [abgerufen am 29. MĂ€rz 2019]).
- â Wildbienen â hochbedroht und unverzichtbar. In: deutschewildtierstiftung.de. Deutsche Wildtier Stiftung, abgerufen am 22. MĂ€rz 2019.
- â Andreas H. Segerer, Eva Rosenkranz: Das groĂe Insektensterben. Was es bedeutet und was wir jetzt tun mĂŒssen. oekom verlag, MĂŒnchen 2018, ISBN 978-3-96238-049-6.
- â Robyn Manley u. a.: Knockâon community impacts of a novel vector: spillover of emerging DWVâB from Varroaâinfested honeybees to wild bumblebees. In: Ecology Letters. 2019, doi:10.1111/ele.13323 (englisch). â
Nadja Podbregar: Neue Gefahr fĂŒr Wildbienen. Parasitische Varroa-Milbe fördert Ăbertragung tödlicher Viren auf Hummel und Co. In: Scinexx. 19. Juni 2019, abgerufen am 17. Juli 2021 (Quelle: UniversitĂ€t Ulm). - â Samantha A. Alger u. a.: RNA virus spillover from managed honeybees (Apis mellifera) to wild bumblebees (Bombus spp.). In: PLOS ONE. 14, 2019, S. e0217822, doi:10.1371/journal.pone.0217822 (englisch). â
Insektenforschung. Können Honig-Bienen Hummeln schaden? In: MDR.de. Sendereihe Tierisch tierisch. 28. Juni 2019, abgerufen am 17. Juli 2021. - â Fiona Galliker: Zu viel Imkerei in Schweizer StĂ€dten könnte sich nachteilig auf BestĂ€uber auswirken. In: wsl.ch. Eidgenössische Forschungsanstalt fĂŒr Wald, Schnee und Landschaft WSL, 14. Februar 2022, abgerufen am 18. April 2022.
- â BĂ€hram Alagheband: Schweizer BiodiversitĂ€t â Imkerboom hilft den Honigbienen â gefĂ€hrdet aber die Wildbienen. In: srf.ch. 18. April 2022, abgerufen am 18. April 2022.
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- â Gartentipp: Ein Sandarium fĂŒr Wildbienen anlegen. In: bund-bawue.de. BUND Baden-WĂŒrttemberg, 29. Mai 2020, abgerufen am 23. Mai 2021.
- â Werner David: Das âHotel zur Wilden Bieneâ â der Methusalem unter den Nisthilfen. In: naturgartenfreude.de. Abgerufen am 11. Mai 2021.
- â Werner David: Hohle PflanzenstĂ€ngel. In: naturgartenfreude.de. Abgerufen am 11. Mai 2021.
- â Werner David: Die Kollektions des Schreckens aus Gartencenter, Baumarkt und Discounter. In: naturgartenfreude.de. Abgerufen am 22. Mai 2021.
- â Nicolas Schoof, Rainer Luick, Niko Paech: Respekt fĂŒr das Insekt? Analyse des Aktionsprogramms Insektenschutz der deutschen Bundesregierung unter besonderer Beachtung transformativer ZugĂ€nge â aktualisierte Version. In: Natur und Landschaft. Band 95, Nr. 7, 8. Juli 2020, S. 316â324, doi:10.17433/7.2020.50153847.316-324 (Online [abgerufen am 3. Oktober 2020]).
- â Paul Westrich: Wildbienen. Die anderen Bienen. Pfeil, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-89937-136-9, S. 77â97.
- â Paul Westrich: Wildbienen. Die anderen Bienen. Pfeil, MĂŒnchen 2011, ISBN 978-3-89937-136-9, S. 98â99.
- â Paul Westrich: Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-8186-0123-2, S. 88.