Helmut Kasimier
Helmut Kasimier (* 17. Oktober 1926 in Breslau;[1] â 16. April 2013 in Hannover[2]) war ein deutscher Politiker (SPD). Kasimier war von 1963 bis 1986 Abgeordneter des NiedersĂ€chsischen Landtags; von 1967 bis 1974 war er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Landtag und von der Landtagswahl 1974 bis zum Ende der sozialliberalen Koalition im Januar 1976 (Kabinett Kubel II) niedersĂ€chsischer Finanzminister.[1]
Leben und Beruf
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kasimier wurde als Sohn eines Maurerpoliers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine kaufmĂ€nnische Lehre im GroĂhandel. AnschlieĂend wurde er zur Wehrmacht eingezogen und nahm 1944/45 als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil. Im April 1945 erlitt er eine Kriegsverwundung, wurde zunĂ€chst in ein Lazarett nach LĂŒbeck gebracht und spĂ€ter von dort aus nach Hannover ĂŒberfĂŒhrt.
Kasimier war zunĂ€chst als Hilfsarbeiter im Baugewerbe tĂ€tig, verdingte sich dann als Zeitungspacker und arbeitete spĂ€ter als Angestellter im GroĂhandel. Nach seinem Eintritt in die SPD arbeitete er ab 1948 als ParteisekretĂ€r. 1963 wurde er in den Landtag gewĂ€hlt.[1] Nach seinem RĂŒckzug aus der aktiven Politik war er Mitglied im Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks (NDR).
Politik
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Kasimier trat 1947 in die SPD ein und arbeitete von 1948 bis 1963 als ParteisekretÀr in Hannover.[1] Er war seit 1947 Unterbezirksvorsitzender und wurde spÀter zum Bezirksvorsitzenden der Jungsozialisten in Hannover gewÀhlt.
Kasimier war von 1952 bis 1963 Ratsmitglied der Stadt Hannover. Er wurde 1963 in den NiedersÀchsischen Landtag gewÀhlt und war dort von 1967 bis 1974 Vorsitzender der SPD-Fraktion.[1]
Bei den Auseinandersetzungen innerhalb der hannoverschen SPD zwischen Rechts und Links, die Ende der 1960er Jahre aufgekommen waren, nahm er stets eine Position des Vermittelnden ein. Auf die Frage, ob er in der SPD links oder rechts sei, die allen Kandidaten auf einem Parteitag der hannoverschen SPD gestellt wurde, antwortete er: âIch bin Rumpf.â[3]
Kasimier wurde am 10. Juli 1974 als Minister der Finanzen in die von MinisterprĂ€sident Alfred Kubel gefĂŒhrte Regierung des Landes Niedersachsen berufen. Nach dem aus AltersgrĂŒnden erfolgten RĂŒcktritt des MinisterprĂ€sidenten sollte er im Januar 1976 dessen Nachfolge im Amt antreten. Obwohl die sozial-liberale Koalition mit 78 Abgeordneten ĂŒber eine dĂŒnne Mehrheit von einer Stimme verfĂŒgte, scheiterte seine Wahl an Gegenstimmen aus der SPD/FDP-Koalition. Statt geschlossen fĂŒr ihn zu votieren, erhielt er am 14. Januar 1976 aus den Reihen des sozialliberalen RegierungsbĂŒndnisses nur 75 Stimmen, wĂ€hrend der CDU-Gegenkandidat Ernst Albrecht 77 Abgeordnete auf seine Seite zog. Da die Abstimmung fĂŒr keinen Kandidaten die erforderliche Mehrheit ergab, wurde die Wahl einen Tag spĂ€ter wiederholt. Diesmal erhielt Albrecht sogar noch eine Stimme mehr, wĂ€hrend fĂŒr Kasimier nur noch 74 Parlamentarier votierten und er sich von der Wahl zurĂŒckzog.
Mit einem neuen Kandidaten, dem Bundesbauminister Karl Ravens, versuchte die SPD am 6. Februar 1976 einen dritten Anlauf und scheiterte erneut an fehlenden Stimmen aus der sozialliberalen Koalition, wĂ€hrend Albrecht mit 79 Stimmen zum MinisterprĂ€sidenten gewĂ€hlt wurde; die SPD und FDP mussten trotz âoffiziellerâ Stimmenmehrheit im Landtag in die Opposition. Kasimier selbst schied mit dem Ende der SPD/FDP-Landesregierung am 13. Februar 1976 aus dem Amt des Finanzministers. 1977 ging die FDP eine Koalition mit der CDU ein, wodurch die neue Regierung eine Landtagsmehrheit bekam.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Rolf Wernstedt: Gradlinigkeit und UnabhÀngigkeit: Helmut Kasimier, in: SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen (Hrsg.): 70 Jahre SPD-Fraktion im NiedersÀchsischen Landtag, Hannover (o. J., 2017), ohne ISBN
Siehe auch
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 4 5 SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen (Hrsg.): 70 Jahre SPD-Fraktion im NiedersÀchsischen Landtag, Hannover (o. J., 2017), ohne ISBN, S. 28
- â Bundespresseportal: NiedersĂ€chsische Landesregierung trauert um Helmut Kasimier, abgerufen am 28. Februar 2020
- â Rolf Wernstedt: Gradlinigkeit und UnabhĂ€ngigkeit: Helmut Kasimier, in: SPD-Landtagsfraktion Niedersachsen (Hrsg.): 70 Jahre SPD-Fraktion im NiedersĂ€chsischen Landtag, Hannover (o. J., 2017), ohne ISBN, S. 30
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Kasimier, Helmut |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Politiker (SPD), MdL |
| GEBURTSDATUM | 17. Oktober 1926 |
| GEBURTSORT | Breslau |
| STERBEDATUM | 16. April 2013 |
| STERBEORT | Hannover |